Es ist viel passiert19.04.2010 von Econ

Sorry an alle, die diese Homepage regelmäßig verfolgen und gespannt auf Neuigkeiten warten. Da ich bereits seit längerer Zeit im Ausland bin, war es mir in den letzten Wochen nicht möglich, die aktuellen Geschehnisse zu kommentieren.

Und dabei ist ganz schön viel passiert. Viele Themen gehen im Moment durch die Medien. Ich kann nur auf wenige eingehen. Zum einen ist da die Reaktion unserer Regierung auf die sich zuspitzenden Verhältnisse in Afghanistan. Erst vor zwei Wochen waren drei Kameraden der Luftlandebrigade 31, der ich selbst viele Jahre angehörte, im Gefecht umgekommen. Und Donnerstag hat es bei einem erneuten Angriff weitere vier deutsche Soldaten getroffen. In der Öffentlichkeit wird darum immer lauter über Sinn und Zweck des Einsatzes diskutiert. Und wie reagiert die Politik? Mandatsverlängerung, Truppenaufstockung – manche diskutieren gar weiter darüber, ob man Krieg nennen darf, was Krieg ist. Aber drängende Fragen nach der richtigen Ausbildung, Ausrüstung und Unterstützung bleiben unbeantwortet. Auch wenn Angela Merkel das Thema nun zur „Chefsache“ gemacht hat und die längst fällige Ausrüstung so schnell wie möglich zur Verfügung stellen will. Bisher ist kaum etwas passiert, das die Situation unsere Soldaten verbessert hat. Die richtige Ausrüstung verspricht man den Soldaten schon seit Jahren, gekommen ist sie bisher nicht. Selbst mehr und mehr Tote scheinen daran nichts zu ändern. Dabei könnte man das benötigte Material übergangsweise bei anderen Nationen mieten – viele andere Länder machen das. Wahrscheinlich sprechen jedoch wirtschaftliche Erwägungen dagegen. Wer das am Ende aber wirklich bezahlt, ist wohl klar: Unserer Soldatinnen und Soldaten, aber auch deren Angehörigen.

Noch ein paar Worte zum Verteidigungsminister, der viele gute Dinge tut, aber auch einige fragwürdige. Gut ist, dass er den Kontakt zu dem Opferanwalt des Tanklasterbombardements abbricht. Wie ich bereits mehrere Male geschrieben habe, war es sehr merkwürdig, dass die Opferzahlen in dem Moment stiegen, als die Regierung Gelder für die Hinterbliebenen zugesagt hatte. Gut ist auch, dass der Verteidigungsminister engen Kontakt zu seiner Truppe hält und einige Reformen auf den Weg gebracht hat. Fragwürdig ist jedoch die Zusammensetzung der Kommission, die für eine verbesserte Bundeswehrstruktur und Führung sorgen soll. Es kann doch nicht so schwer sein, Personen aus den verschiedensten Dienstgradgruppen auszusuchen, die genug Erfahrung haben und die Verhältnisse vor Ort gut genug kennen, um Vorschläge zu erarbeiten. Müssen es wieder irgendwelche Bürokraten sein, die nicht wissen, worum es geht?

Ich kann mich hier nur einem Hauptfeldwebel aus Kundus anschließen, der sich nach einem Gefecht wünschte, dass die Entscheidungsträger einmal einige Patrouillen oder Einsätze in voller Gefechtsausrüstung mitmachen. Den Damen und Herren würde ganz schnell klar werden, was die deutsche Truppe wirklich braucht. Langwierige bürokratische Sitzungen, in denen inkompetente, aber hoch bezahlte Personen am Ende eh nichts Vernünftiges bewirken, helfen da in jedem Fall nicht.

Es gibt noch viel mehr zu berichten, ein Blogeintrag reicht dafür jedoch nicht aus – und darum werde ich jetzt auch wieder in kürzeren Abständen entsprechende Texte auf die Seite stellen.

In Gedenken an unsere gefallenen Kameraden, allzeit Glück ab!

Achim

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Afghanistan-Konferenz, ein Erfolg?03.02.2010 von Econ

Stolz hat die Bundesregierung auf der in der vergangenen Woche stattgefundenen Afghanistan-Konferenz in London ihren Vier-Säulen-Plan präsentiert. Ist die Freude berechtigt? Immerhin ist es als Erfolg zu verbuchen, dass das erste Mal seit Beginn des Krieges in Afghanistan überhaupt so etwas wie ein Plan präsentiert wird.

Was beinhaltet der Plan? Afghanische Polizei und Militär ausbilden zu wollen, ist nicht wirklich neu. Die Förderung ziviler Hilfsprojekte ebenfalls nicht. Überraschend kommt dagegen das Vorhaben der Bundesregierung, „gemäßigte Taliban“ mit finanziellen Mitteln von Anschlägen auf alliierte Streitkräfte abhalten zu wollen. Das kommt nicht nur der Öffentlichkeit, sondern auch vielen Soldaten fragwürdig vor. Wie will man das durchsetzen und vor allen Dingen kontrollieren?

Glaubt die Regierung wirklich, Geld würde Terroristen auf lange Sicht dazu bringen, ihre tödlichen Angriffe zu unterlassen? Wenn das überhaupt funktioniert, dann nur, wenn die Zahlungen sobald nicht eingestellt werden. Und fließt einmal eine bestimmte Menge von Geld, gibt es nach oben keine Grenzen. Die Bundesregierung müsste sich darauf einstellen, immer tiefer in die Tasche der Steuerzahler zu greifen. Ein Ende wäre nicht absehbar. Wie soll man nun aber der deutschen Bevölkerung erklären, dass es zwar genug Geld für Terroristen gibt, zu wenig jedoch dagegen, um es denen zu geben, die im eigenen Land so wenig verdienen, dass sie davon kaum leben können.

Dieser Plan wird unseren Truppen in Afghanistan nicht weiterhelfen. Vermutlich fördert er sogar noch die Anschläge. Je mehr Geld gezahlt wird, desto mehr Angriffe könnte es geben, um die Notwendigkeit der Zahlungen zu demonstrieren.

Wenn das die neue Strategie für die Befriedung Afghanistans ist, ist der Militäreinsatz am Hindukusch meiner Ansicht nach nicht mehr zu retten. Nach und nach erfährt die deutsche Öffentlichkeit, wie verheerend die Zustände dort wirklich sind: Ein gerade aus Afghanistan heimgekehrter Kamerad, der dort eine Führungsposition inne hatte, bestätigte mir zum Beispiel, dass das Bestechen von Provinzgouverneuren mit sechsstelligen Geldbeträgen mittlerweile vollkommen normal ist. Von gewalttätigen Angriffen sind deswegen weder die ausländischen Truppen noch die afghanische Zivilbevölkerung verschont geblieben. Eigentlich entlarven die Verhältnisse vor Ort das „Aussteiger-Programm“ der deutschen Politik schon jetzt als völlig unzureichend.

An alle draußen passt auf Euch auf, allzeit Glück ab.

Achim

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Wird 2010 das Jahr der Veränderung?25.01.2010 von Econ

In und um Kundus gibt es immer noch täglich Terrorwarnungen. Unsere Soldatinnen und Soldaten müssen ständig mit Angriffen seitens der Taliban rechnen. Am 17. Januar 2010 fuhren einige der Kameraden an einen Checkpoint. Als ein Auto in hohem Tempo auf sie zufuhr, fürchteten sie, Ziel eines Anschlags zu werden. Daraufhin eröffneten sie, nach Einhaltung der Rules of Engagement, das Feuer. Auch wenn dabei bedauerlicherweise ein afghanischer Zivilist getötet wurde, die Soldaten müssen ihr Leben auf diese Weise verteidigen dürfen. Wir sind gespannt, zu welchem Ergebnis der Untersuchungsausschuss zu dem Tanklaster-Bombardement in Kundus vom 04. September 2009 kommen wird. Hiervon wird stark abhängen, wie sich die Soldaten zukünftig in solch gefährlichen Situationen verhalten werden. Ich hoffe, dass die Politik sie nicht im Stich lässt und ihnen bei Angriffen ein angemessenes Verhalten ermöglicht.

Die Amerikaner haben entschieden, in näherer Zukunft 2500 Soldaten in den von der deutschen Bundeswehr kontrollierten Großraum Kundus zu verlegen. Sie wollen die Deutschen bei ihrer Arbeit unterstützen ¬– man scheint uns nicht mehr viel zuzutrauen. Wie wird die Bundesregierung auf der am 28. Januar stattfindenden Afghanistan-Konferenz da wohl reagieren? Es wird über eine offensivere Beteiligung der Bundeswehr an den ISAF-Operationen gesprochen werden müssen. Ich bin allerdings nicht sicher, ob den Deutschen das bei der geringen Anzahl an Infanteristen und der nach wie vor nicht sinngerechten Ausrüstung möglich ist. Schon jetzt verlangt der Kommandeur des PRT-Kundus mehr Bodenstreitkräfte, um seine Aufträge durchzuführen. Auf der Konferenz wird darum sicherlich eine Aufstockung des deutschen Kontingentes zur Diskussion stehen.

Täglich erreichen uns Nachrichten von Soldatinnen und Soldaten aus dem Einsatzland. Sie fordern immer und immer wieder eine Verbesserung der Gesamtlage. Erst kürzlich sagte mir ein heimkehrender Soldat in einem persönlichen Gespräch, dass es nicht ausreicht, Provinzgouverneure mit einer hohen Geldsumme ruhig zu stellen, damit sie in ihrer Region dafür sorgen, dass die Anschläge auf deutsche Truppen unterlassen werden. Hoffen wir also, dass die Afghanistan-Konferenz endlich Antworten liefert.

An alle da draußen passt gut auf Euch auf, allzeit Glück ab!

Achim

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Buchempfehlung23.01.2010 von Econ

Zunächst wünsche ich allen Soldatinnen, Soldaten, deren Angehörigen sowie allen Lesern ein frohes und hoffentlich friedliches Jahr 2010.

Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren ist unser erstes Buch „Endstation Kabul“ erschienen. Auch unsere Homepage ist seitdem online. In dieser Zeit ist viel passiert, und wir können mit Stolz behaupten, eine kleine „Lawine“ ins Rollen gebracht zu haben. Denn einige ehemalige Soldatinnen und Soldaten sind unserem Beispiel gefolgt und haben ebenfalls Bücher über den Afghanistaneinsatz veröffentlicht. Und genau das wollten wir erreichen. Wir wollten die Öffentlichkeit informieren und andere dazu ermutigen, von ihren eigenen Erfahrungen in Afghanistan zu erzählen.

Nächste Woche erscheint ein weiteres sehr gutes Buch zu dem Thema: „Unter Beschuss“ von Marc Lindemann. Er ist Nachrichtenoffizier und war zuletzt 2009 für die Bundeswehr in Kundus unterwegs. Er analysiert in einem sehr persönlichen und fachkundigen Bericht die menschlich und politisch schwierigen Verhältnisse am Hindukusch. Es versorgt die deutsche Öffentlichkeit mit aktuellen Informationen, entlarvt Fehler und Versäumnisse der deutschen Führung und verlangt von der Bundesregierung endlich eine klare Strategie zur Lösung des Kriegs. Ich kann Euch das Buch nur empfehlen!

An alle da draußen passt gut auf Euch auf, allzeit Glück ab!

Achim

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Weihnachtsgrüße23.12.2009 von Econ

Allen Soldatinnen, Soldaten sowie deren Angehörigen und sämtlichen Lesern ein frohes und gesegnetes Weihnachsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

An alle da draußen, bleibt gesund an Körper und Geist.

Allzeit Glück ab.

Achim

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Verteidigung des Verteidigungsministers15.12.2009 von Econ

“Sie müssen durchhalten”, sagte ich dem Verteidigungsminister im Gespräch bei Maybrit Illner am 10. Dezember 2009 in Berlin immer wieder. Während und nach meiner Dienstzeit bei der Bundeswehr habe ich viele Politiker, Minister und selbst den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder persönlich kennengelernt. Bei keinem hatte ich einen dermaßen positiven Eindruck wie bei unserem jetzigen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Dieser Mann setzt sich nach bestem Wissen und Gewissen für seine Soldatinnen und Soldaten ein. Deshalb ist es für mich völlig unverständlich, dass Politiker verschiedener Parteien versuchen, den Hoffnungsträger der Truppe zu diskreditieren oder gar zum Rücktritt zu bewegen. Wann verstehen die Damen und Herren der Politik endlich, dass man kompetente Personen nicht danach beurteilen sollte, welcher Partei sie angehören, sondern mit welchem Engagement sie eine Sache verfolgen.

Kameraden, Freunde und Mitstreiter haben uns zum Wohl der Truppe Informationen zu dem Zwischenfall am 4. September 2009 in Kundus zukommen lassen. Diese Informationen lagen nachweislich auch den Personen vor, die heute versuchen Herrn zu Guttenberg in Misskredit zu bringen. Jeder Mensch mit ein wenig militärischem Sach- und gesundem Menschenverstand kann diesen Angaben entnehmen, dass die Entscheidung, die Oberst Klein an diesem Tage getroffen hat, keiner der ihm vorliegenden Befugnisse zuwiderlief. Es lässt sich an ihnen sogar ablesen, dass selbst politische Vertreter der afghanischen Seite diesen Luftschlag befürwortet haben. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es unheimlich schwer ist, eine Entscheidung zu fällen, die Menschenleben kosten kann. Das macht man nicht aus einer Laune heraus, sondern um seine Kameraden zu schützen oder seinen Auftrag zu erfüllen. Bei Oberst Klein war es, so viel kann ich sagen, nicht anders.

Des Weiteren ergibt sich bei der Lektüre dieser Berichte eine Frage, die ich auch schon bei Maybrit Illner stellte: Warum steigen die Opferzahlen plötzlich an, nachdem die Bundesregierung eine Entschädigung in Millionenhöhe zusagte. Auch ist es sehr verwunderlich, dass deutschen Ermittlern ein nahezu klinisch reiner Ort des Geschehens vorgeführt wurde. Aber am fragwürdigsten ist doch die Tatsache, dass einige von denen, die damals die politische Verantwortung trugen, den jetzigen Verteidigungsminister als Sündenbock hinstellen. Und das obwohl dieser damals noch gar nicht im Amt war.

Wie jeder weiß, haben die Oppositionsparteien, bis auf eine Ausnahme, eine vernichtende Niederlage bei der letzten Bundestagswahl einstecken müssen. Nun sind sie scheinbar bestrebt, sich durch eine künstlich hervorgerufene „Affäre“ wieder zurückzumelden. Wann versteht man endlich, dass unsere Soldatinnen und Soldaten in erster Linie für ihr Land kämpfen und nicht für irgendeine Partei. Es ist ihnen völlig unverständlich, dass hier in der Heimat solche Diskussionen auf dem Rücken der Bundeswehr ausgetragen werden. Haltet ihnen endlich den Rücken frei!!!!

Einige Sätze noch an unseren Verteidigungsminister: Halten Sie durch, bleiben Sie, wie Sie sind, verfolgen Sie weiterhin Ihren Kurs. Denn für die Truppe sind Sie endlich der glaubwürdige und integre Repräsentant, den sie sich schon seit Jahren gewünscht hat.

Mit kameradschaftlichen Grüßen an alle da draußen, passt auf Euch auf.

Allzeit Glück ab.

Achim

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Achim im ZDF09.12.2009 von Econ

Morgen Abend ist Achim ab 22:15 Uhr zu Gast bei Maybrit Illner im ZDF. In der Sendung werden unter anderem auch Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und der SPD-Politiker Egon Bahr sein. Thema ist: “Nobelpreis für Obama. Lasst uns mit seinem Krieg in Frieden?” Nicht verpassen!

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Dank an die Leser09.12.2009 von Econ

Täglich werde ich gefragt, wie es denn nun nach dem zweiten Buch „Operation Kundus“ weitergeht. Dazu kann ich nur sagen: Es wird eine Fortsetzung geben, denn ich weiß, dass der interessierte Leser nach mehr verlangt. Und ich selber habe auch noch sehr viel zu berichten. Ich weiß auch, dass sehr viele diese Homepage nahezu täglich verfolgen. Das erfahre ich aus Telefonaten, SMS und sehr vielen Emails. Ich möchte euch hiermit meinen Dank ausdrücken dafür, dass ihr mir mit so vielen Informationen, Rat und Tat zur Seite steht. Selbst die vielen Zuschriften aus den Bundeswehruniversitäten, die ich in großer Anzahl erhalte, spornen mich weiter an, meinem Kurs treu zu bleiben. Die dort angehenden Offiziere wollen oft von mir wissen, wie sie denn in Zukunft ihre Untergebenen führen sollen oder wie sie reagieren sollen, wenn sie auf zum Teil verbohrte Vorgesetzte treffen. Das hier in mir gesetzte Vertrauen ehrt mich sehr. Ich war zwar nur Stabsunteroffizier, habe aber dennoch durch herausragende Vorgesetzte erfahren dürfen, was gute militärische Führung bedeutet. Darum kann ich auf diese Anfragen nur antworten: Es ist wichtig, sich immer treu zu bleiben, sich selbst ständig kritisch zu hinterfragen und von seinen Untergebenen nur das zu fordern, wozu man selbst bereit ist, es zu tun.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen da draußen nur das beste Soldatenglück, passt auf Euch auf, kommt heile an Körper und Geist zurück.

Allzeit Glück ab!

 Achim

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Update …07.12.2009 von Econ

… ist das, was der neue Verteidigungsminister im Moment durchführt!

Drei Monate nach dem Angriff der Bundeswehr auf zwei entführte Tanklastzüge in Afghanistan wird im Verteidigungsministerium endlich aufgeräumt. Nachdem bereits einige hochrangige Mitarbeiter der Bundeswehr ihren Hut nehmen mussten, hat es nun auch den Ex-Verteidigungsminister Franz Josef Jung erwischt. Seine falsche Informationspolitik und die Täuschung der Öffentlichkeit in seinem alten Amt hat ihn jetzt sein neues gekostet.

In der Vergangenheit bestand die Strategie der führenden Politiker ja weitgehend darin, jegliche Vorwürfe zu dementieren und Probleme auszusitzen. Das haben wir selbst als Reaktion auf unser erstes Buch „Endstation Kabul“ erfahren, was ihr auch auf dieser Homepage nachlesen könnt. Die ehemaligen Verantwortlichen (Staatssekretär Dr. Wichert, Generalinspekteur der Bundeswehr Schneiderhahn und der Ex-Verteidigungsminister Jung) begegneten der in unserem Buch geäußerten Kritik an den Zuständen des Bundeswehreinsatzes damals auf eben diese Weise. Da wurden wir diskreditiert, indem man uns mangelnden Durchblick und unzulässige Generalisierung vorwarf. Den Soldatinnen und Soldaten versuchte man sogar von der Lektüre unseres Buches durch eine Art Lesewarnung abzuhalten. Das beweist ein uns vorliegendes Telex, das in alle Bundeswehrstandorte Deutschlands gesendet wurde. Die auch von anderer Seite bestätigten Mängel wurden also mit allen Mitteln geleugnet und bagatellisiert. Verbessern konnte sich die Lage dadurch natürlich nicht. (Siehe hierzu den Homepageeintrag Januar 2008, Antwort auf das Verteidigungsministerium oder Februar 2008 Leseverbot in Kasernen). Bis in jüngster Zeit wurden die wahren Umstände der jeweiligen Einsatzszenarien in Afghanistan meist vertuscht.

Wie schon nach Erscheinen des ersten Buches müssen wir auch nach unserem zweiten Buch „Operation Kundus“ mit schweren Anfeindungen zurechtkommen. Dabei haben wir damals wie heute nichts anderes gemacht, als die Wahrheit zu berichten, zu erzählen, was in Afghanistan wirklich passiert. Und mittlerweile bestätigen unzählige Artikel und Beiträge von Journalisten und Experten in den Medien ja sogar unsere Sicht der Dinge. Dennoch sind die Reaktionen diesmal noch heftiger. Das mag daran liegen, dass wir Anfang 2008, als das erste Buch veröffentlicht wurde, noch weitgehend unbekannt waren. Heute werden wir dagegen von Politik und Öffentlichkeit als, auch unangenehmes, jedoch realistisches Sprachrohr der Soldatinnen und Soldaten wahrgenommen und anerkannt. Nahezu alle unsere Prognosen sind eingetreten, alle Aussagen zur Truppenstärke, Sorgen und Nöte der Soldatinnen und Soldaten, aber auch deren Angehörigen, die wir schon vor Jahren ansprachen, haben sich bewahrheitet. Von den Betroffenen erhalten wir nahezu einhundertprozentigen Zuspruch. Immer noch erreichen uns täglich aufmunternde und dankbare Leserbriefe.

Die ersten Amtshandlungen des neuen Verteidigungsministers zu Guttenberg weisen glücklicherweise in eine neue Richtung. Die ihm zugetragenen Missstände scheint er gnadenlos beseitigen zu wollen, und dennoch sind wir gespannt, wie er und seine politische Führung die nahe Zukunft bewältigen werden. Ich wünsche ihm das beste Soldatenglück für all seine Entscheidungen. Möge er anders als seine politischen Konkurrenten, sich und seiner Linie treu bleiben.

Allzeit Glück ab!

Achim

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Weiter so …16.11.2009 von Econ

Endlich klare Worte!

Der neue Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat bereits in den ersten zwei Wochen seiner Amtzeit geschafft, was seine Vorgänger seit Jahren nicht zu Wege gebracht haben. In der Beurteilung der aktuellen Zustände im umkämpften Afghanistan redet er Klartext, und er bemüht sich um eine neue Form der Politik. 

Dabei ist es besonders wichtig, dass er als erster führender Politiker bestätigt, was so viele der in Afghanistan kämpfenden Soldaten immer wieder betont haben: In Afghanistan ist KRIEG! Er spricht den Soldaten damit aus der Seele. Außerdem prangert er die veralteten Vorschriften und Vorgehensweisen der Bundeswehr an und hat sich vorgenommen, die skandalösen bürokratischen Strukturen abzubauen. Das lässt hoffen. 

Um Afghanistan nachhaltig wieder aufzubauen, bedarf es einer kompetenten afghanischen Regierung. Guttenberg hat den weiteren Einsatz der Bundeswehr darum an Bedingungen geknüpft und Hamid Karsai aufgefordert, konsequent gegen die weitverbreitete Korruption im Lande vorzugehen. Das Gespräch mit dem afghanischen, nur durch Wahlbetrug ins Amt gelangten Präsidenten, dürfte ihm mit Sicherheit nicht leicht gefallen sein. Aber er hat seine Forderungen klar und deutlich formuliert. Genauso wie die Regierungschefs und Militärs anderer Nationen will er Ergebnisse sehen. Erst dann wird er über das weitere Vorgehen in Afghanistan entscheiden. Mit dieser Geradlinigkeit hat er sich bei den deutschen Einsatzkräften große Sympathien erworben. Er spricht und handelt, wie die Soldaten es sich erhoffen. 

Auch bei seinem Besuch in den verschiedenen Standorten der Bundeswehr in Afghanistan hat er den richtigen Ton getroffen. Er zollte unseren Soldaten Respekt und Anerkennung, nahm ihre Sorgen ernst und fand deutliche Worte zur Lage, mit denen sich jeder Soldat vor Ort identifizieren konnte. Dafür bekommt er schon jetzt, in seiner noch sehr kurzen Amtszeit, den Respekt der ganzen Truppe – das entnimmt man den vielen Nachrichten, die aktive Soldaten aus Afghanistan geschickt haben. Die Tatsache, dass er im Januar 2010 eine Infanteriekompanie nach Kundus verlegen wird, spricht weiterhin für seine Fachkompetenz. Wir beklagen schon seit Jahren, dass es zu viele „Häuptlinge“ und zu wenige „Indianer“ gibt. Die Verlegung dieser Infanteriekompanie ist der erste Schritt in die richtige Richtung. 

Wir hoffen nur, dass diese Infanterieeinheit eine bessere Vorausbildung besitzt als die Soldaten, die in den letzten Wochen immer wieder in meinem Büro erschienen sind. Die Jungs kamen, um sich hilfreiche Tipps  für ihre Vorbereitung auf den Auslandseinsatz zu holen. Dabei musste ich leider feststellen, dass einige Anwärter erneut „Opfer“ einer sehr schlechten und unrealistischen Darstellung der Situation und Bedingungen in Afghanistan geworden waren. Ich schaute darum nicht selten in ungläubige und entsetzte Augenpaare, wenn ich von meiner Zeit am Hindukusch erzählte.

Gerade diesen Kameraden wünsche ich für ihre Kontingentzeit das größte und beste Soldatenglück, und kommt heile an Körper und Geist zurück.

Dem Verteidigungsminister wünsche ich weiterhin Fingerspitzengefühl und Soldatenglück. 

Mit kameradschaftlichen Grüßen an alle, passt auf Euch auf. Allzeit Glück ab.

 Achim

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